"Wir brauchen
eine klare
Perspektive!"

Interview mit Willi Braun über den
anthropogenen Klimawandel.

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Wir müssen handeln – und zwar jetzt.

Eine CO2 freie Energieversorgung ist zentral.

Herr Braun, Sie sind einer der Gründer der Firma WINDPOWER.
Was genau hat Sie angetrieben, WINDPOWER mitzugründen?

Vor 25 Jahren war die Windkraft die bei weitem effizienteste Möglichkeit, kostengünstig neue, regenerative Energie verfügbar zu machen. Die Windkraft wies den Weg – weg von fossiler hin zu einer CO2-neutralen Energiegewinnung. Sie war der Start für eine industrielle Revolution auf dem Energiesektor, wie sie heute in vollem Gange ist. Rückblickend hat sich die wegweisende Firmengründung also wirklich gelohnt.

Viele werfen den heutigen Klimaaktivisten Panikmache und Hysterie vor. Wie sehen Sie das?

Im Grunde ist der Zusammenhang sehr einfach. Jedes Gramm Kohlenstoff, das wir aus der Erde fördern und in die Atmosphäre befördern, verschärft die Problematik des Klimawandels. Eine Entwicklung, die nicht rückgängig zu machen ist, wenn einmal kritische Wegmarken überschritten sind. Dieser Mechanismus ist in der Wissenschaft unstrittig. Angesichts der jetzt bereits sehr spürbaren Folgen der klimatischen Veränderungen ist es auf jeden Fall angebracht, sich dieser dramatischen Entwicklung mit größtmöglicher Energie entgegenzustellen. Deswegen begrüße ich die Fridays for Future-Bewegung ausdrücklich und unterstütze diese auch soweit es mir möglich ist. Die Jugendlichen haben den Klimanotstand mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt als alle Mahnungen der Klimawissenschaftler seit den ersten Veröffentlichungen des  Club of Romes. Dazu gehört es auch, die Gefühle der Menschen anzusprechen. Nur so wird es gelingen, die nötigen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen herbeizuführen.

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Viele sagen ja, die Energieerzeugung aus Wind und Sonne und anderen CO2-freien Ressourcen würde niemals ausreichen, um unseren Energie-Hunger zu stillen. Was sagen Sie dazu?

Weniger als eine Stunde Sonnenenergie, die die Sonne auf die Erde überträgt, deckt den gesamten Energiebedarf aller Menschen für ein Jahr. Diese unglaublich große Ressource zapfen wir an, wenn wir neue Windkraftanlagen oder Photovoltaik-Installationen umsetzen. Es ist also keine Frage der Energiemenge, sondern eher eine Frage der Zeit: Schaffen wir den Umstieg bevor unumkehrbare Klimakipppunkte erreicht werden? In Kombination mit anderen Technologien, wie zum Beispiel Power-to-X, mit deren Hilfe die gewonnene elektrische Energie durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wird, lassen sich die fluktuierenden Erneuerbaren Energien verstetigen und auch saisonal speichern. Gleichzeitig dient der Wasserstoff nicht nur als Stromspeicher, sondern als chemischer Grundstoff für eine emissionsfreie Industriegesellschaft.

Worin liegt – nach 25 Jahren Einsatz für Erneuerbare Energien – der derzeitige Schwerpunkt des Unternehmens WINDPOWER?

Zurzeit konzentrieren wir uns sehr stark auf das Segment Photovoltaik. Im Fokus stehen dabei größere Dächer wie zum Beispiel landwirtschaftliche Gebäude oder Industriekomplexe. Aber auch Dächer von Wohngebäuden haben wir im Blick. Die Windkraft erlebt zurzeit eine Stagnation, bedingt durch die verschärften gesetzlichen Auflagen wie die 10H-Regelung in Bayern, oder die neue 1.000-Meter-Abstandsregelung, die für ganz Deutschland gelten soll. Während der letzten 25 Jahre haben wir umfangreiche Erfahrungen gesammelt, was Projektierung, Planung, Bau und Betriebsführung von regenerativen Energieprojekten betrifft. Dieses Know-how bieten wir unseren Kunden in maßgeschneiderten Leistungspaketen an, so modular, wie der Kunde dies wünscht.

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Willi Braun gründete zusammen mit Hans Lenz 1995 die Firma WINDPOWER. Der Bayerische Energieatlas führt die erste, 1996 gegründete Beteiligungsgesellschaft der Firmengruppe als Musterbeispiel für Bürgerwindkraftwerke in Bayern.

Wie beurteilen Sie die Perspektive? Ist es noch „fünf vor 12“ oder bereits „fünf nach 12“?

Wenn wir alle anpacken und konsequent handeln, haben wir durchaus die Chance, das Ruder herumzureißen. Allerdings dürfen wir uns nichts vormachen. Jeder Tag ist wichtig. Wir haben überhaupt keine Zeit mehr zu verlieren. Auch wenn es manchmal heißt, wir hier in Deutschland können doch eigentlich nichts bewegen, haben wir doch die Pflicht, als eine der führenden Industrienationen, vorbildlich zu handeln und ein Geschäftsmodell zu etablieren, das Schule macht. Deshalb heißt unser Firmenslogan auch: „Die Energie für morgen. JETZT!“

Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Anton Krammel, Berater Marketing und Kommunikation