Windenergie in Spanien – Kampf mit statt gegen die Windmühlen

WEA Neumarkt 1

Der spanische Nationaldichter Miguel de Cervantes schilderte im frühen 17. Jahrhundert in seinem Werk „Don Quijote“ den sprichwörtlich gewordenen Kampf seines Helden gegen die Windmühlen. Wie wir wissen unterlag der Edelmann, denn heute – 400 Jahre später – ist Spanien eine der in Europa führenden Windkraftnationen. Die damals so bitter bekämpften Feinde produzieren heute große Mengen eines Gutes, von dem sich Don Quijote nicht einmal eine vage Vorstellung machen konnte: elektrischen Strom.

Allein in den letzten Jahren haben die Spanier jährlich Windenergieanlagen mit einer Leistung zwischen 1.500 und 3.500 MW zugebaut. Damit hat Spanien mit inzwischen über 20.000 MW die zweithöchste Windkraftkapazität Europas. Fast ein Viertel der Windkraftleistung der EU, die 84.074 MW beträgt, ist dort installiert. Und verschiedene spanische Regionen haben in 2010 insgesamt weitere 7.000 MW ausgeschrieben!

Als Meilenstein in der Umstrukturierung des spanischen Strommarktes wird das 1997 erlassene “Gesetz des Stromsektors” angesehen, dessen Ziel es war, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Primärenergie deutlich zu erhöhen. In dessen Tradition steht auch der aktuelle Aktionsplan für erneuerbare Energien. Er strebt für Spanien eine Gesamtkapazität von 38.000 MW bis 2020 an und will damit nicht nur eine umweltfreundlichere Energieversorgung erreichen, sondern auch deren Importabhängigkeit entgegenwirken.

Spitzenreiter im spanischen Länder-Ranking ist die Region Castilla-Leon mit einer bis 2009 installierten Leistung von 4.803,82 MW und einer Neuinstallation in 2010 von weiteren 917 MW. Die größten Betreiber der spanischen Windkraftanlagen, Iberdrola Renovables (5.168,5 MW), der Mischkonzern Acciona (4.036,8 MW) und die portugiesische EDPR (2.050 MW) sind zugleich auch die weltweiten Marktführer in diesem Bereich.

Auf der Herstellerseite gibt es in Spanien ebenfalls eine starke Konzentration: Über 50 % der Neuinstallationen stammen vom heimischen Hersteller Gamesa, 33 % von Vestas und 9,4 % vom ebenfalls spanischen Produzenten Alstom Wind, der vom französischen Konzern Alstom übernommenen ehemaligen Ecotècnia.

Neben der auf der iberischen Halbinsel bereits etablierten Wind- und Wasserkraft ist auch die Solarenergie immer mehr im Kommen. Somit könnte Spanien bald erneut einen europäischen Spitzenplatz bei der Erzeugung und Nutzung von regenerativem Strom besetzen.

In der Symbolik Don Quijotes kann man übrigens durchaus einen aktuellen Bezug sehen: Der ausweglose Kampf des gnädigen Herrn gegen die gnadenlose Maschine ist ein Bild für den durch den technischen Fortschritt ausgelösten Machtverlust der Aristokratie. Auch heute bewirkt der technische Fortschritt der erneuerbaren Energien eine Umverteilung der Macht von wenigen zentralistischen Energieversorgern hin zu einer dezentralen, demokratischeren Struktur.