Windkraft in der Oberpfalz – ein Wirtschaftsfaktor auf Abruf

BWE-Oberpfalz sieht Vorreiterrolle der Region in Sachen Windenergie durch 10H-Regelung gefährdet und appelliert an die Verantwortung der Kommunen für eine erfolgreiche Energiewende

Der bisherige und auch neue Vorsitzende des Bundesverbands WindEnergie – Regionalverband Oberpfalz, Dr. Peter Niebauer, hat die Bedeutung der Windkraft als starker Wirtschaftsfaktor Ostbayerns hervorgehoben. „Ende 2014 werden an die 100 Windenergieanlagen mit einem Investitionsvolumen von 450 Millionen Euro und mit einem Anteil von 8,5 % zur Oberpfälzer Stromversorgung beitragen“, rechnete Niebauer auf der gestrigen Jahreshauptversammlung des BWE-Regionalverbands in Wernberg-Köblitz (Lkr. Schwandorf) vor. Damit liege der Regierungsbezirk beim Windstrom sogar knapp über dem Bundesdurchschnitt.

Allerdings sieht der Regionalvorsitzende die Vorreiterrolle der Oberpfalz mittelfristig in Gefahr. „Wenn die Kommunen nicht mutig gegensteuern, wird die bayerische 10H-Abstandsregelung spätestens ab 2016 für einen Stillstand im Ausbau der Windkraft sorgen“, warnte Niebauer. Schon jetzt sei die Zahl neuer Genehmigungsanträge eingebrochen. „Dann herrscht auch in der Oberpfalz Flaute in Sachen dezentraler Energiewende und regionaler Wertschöpfung.“

Wertschöpfung aus Windkraft überschreitet 1 Milliarde Euro – allein in der Oberpfalz
Es ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte in Zahlen und Fakten, mit der der Windbranchenverband zum Jahresabschluss 2014 für die Oberpfalz aufwarten kann. Fast 100 Windenergieanlagen mit einer Leistung von über 210 Megawatt und einer jährlich produzierten Strommenge von ca. 500 Millionen Kilowattstunden zählt der BWE in seiner Bilanz auf. Das entspricht dem Strombedarf von 145.000 Oberpfälzer Haushalten, der damit CO2-frei abgedeckt werden kann.

„Wir haben bisher mit unseren Investitionen in die Windenergie – mitgetragen von lokaler Bürgerbeteiligung und kommunalen Stadtwerken – eine regionale Wertschöpfung von rund 1 Milliarde Euro allein in der Oberpfalz ermöglicht“, zeigte sich Niebauer erfreut. Und das Potenzial sei längst nicht ausgeschöpft. Nach Schätzungen des BWE-Oberpfalz auf der Basis des bayerischen Energiekonzepts „Energie innovativ“ könnten bis 2025 in der Region sogar etwa 4 Milliarden Euro an Wertschöpfung generiert und 2 Milliarden Euro an Investitionen getätigt werden.

Jetzt kommt’s auf die Kommunen an!
Vor diesem Hintergrund kritisierte er die Entscheidung der Staatsregierung und den Beschluss der CSU-Landtagsmehrheit über die Einführung der sogenannten 10H-Regelung scharf. „Damit hat sich die Staatsregierung bei einem wichtigen Pfeiler der zukünftigen Energieversorgung aus ihrer Verantwortung gestohlen“, so Niebauer. Diese Kehrtwende habe das Vertrauen der bayerischen Wirtschaft und der mittelständisch geprägten Branche in eine verlässliche Politik schwer erschüttert. Es sei zu befürchten, dass der aufkeimende Wirtschaftsfaktor Windkraft in Bayern und der Oberpfalz wieder abstirbt. Ob die entsprechende Änderung der Bayerischen Bauordnung auf Grundlage der Länderöffnungsklausel einer juristischen Prüfung standhält, müsse sich noch zeigen.

Nach Ansicht des BWE kommt es jetzt mehr denn je auf die Kommunen an, ob die erneuerbare Energiewende in Bayern eine Zukunft hat. „Wir appellieren an jene Gemeinden und Städte, die es mit einer dezentralen und regenerativen Energieversorgung ernst meinen, auch weiterhin auf die Windkraft zu bauen. „Windenergie in Bayern und in der Oberpfalz ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende und den Klimaschutz vor Ort – noch dazu mit einem hohen Maß an regionaler Wertschöpfung“, zeigte sich Niebauer überzeugt.

Christoph Markl-Meider, BWE-Bayern Presse

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