Windenergie in Frankreich - Aufbruchstimmung in der Windkraftbranche
Der schöne Klang der französischen Sprache ist weltbekannt. Das, was wir Deutsche mit dem technisch-nüchternen Begriff „Windkraftanlage“ beschreiben, heißt auf französisch „Eolienne“ und bezieht sich auf den griechischen Gott Äolus, den Herrscher der Winde und Gatten der Morgenröte Eos.
Schon seit Äolus´ Zeiten weht der Mistral, ein sehr starker, aus nord- bis nordwestlicher Richtung kommender Wind, über Frankreich hinweg in den Mittelmeerraum. Er kann tagelang wehen und tritt so häufig auf, dass die Bäume im Rhônetal oft in Windrichtung nach Süden hin gebogen sind. Aber erst jetzt kommt in Frankreich die Nutzung dieser ressourcenschonenden Energiequelle langsam in Gang.
Bisher bezieht Frankreich drei Viertel seines Strombedarfs aus der Kernenergie, weniger als ein Prozent dagegen aus der Windkraft. Im Jahr 2010 waren auf französischem Boden nur 5.660 MW Windkraftleistung installiert (zum Vergleich: Deutschland: 27.214 MW). Doch das EU-Ziel, bis zum Jahr 2020 aus regenerativen Quellen 20 % der benötigten Energie zu beziehen, sorgt auch dort für Handlungsbedarf.
So möchte die französische Regierung nun die Windkraft bis zu diesem Zeitpunkt auf eine Gesamtleistung von 25.000 MW ausbauen. Davon sollen 19.000 MW an Land und 6.000 MW offshore installiert werden. Damit ist Frankreich zu einem wichtigen Zielmarkt für die internationale Windenergie-Branche geworden.
Neue Windparks entstehen inzwischen nicht mehr nur in Küstenregionen wie der Bretagne, sondern auch im Binnenland, z.B. in Zentralfrankreich, der Picardie, Lothringen oder Champagne-Ardenne. Und vor der französischen Küste sollen bereits bis 2015 insgesamt 600 neue Anlagen mit zusammen 3.000 MW Leistung errichtet werden, was zu Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro und der Schaffung von 10.000 neuen Arbeitsplätzen führen würde.
In der Bevölkerung erhalten diese ehrgeizigen Ziele der Regierung breite Unterstützung. Denn in Umfragen befürworten die Windenergie bis zu 95 Prozent der Franzosen. Ob allerdings Präsident Nicolas Sarkozy seine Ankündigung wahrmachen wird, die regenerativen Energien so anzukurbeln, wie „General de Gaulle in den Sechzigern die Nuklearenergie ankurbelte“, bleibt abzuwarten.
Zur Atomkraft fällt übrigens nicht mal den Franzosen eine schöne Bezeichnung ein. Sie nennen sie: „Energie nucléaire“.
