Biokraftstoffe - Europa auf dem Weg zur Unabhängigkeit vom Öl
Über 20 Prozent der CO2-Emissionen werden
vom Verkehr erzeugt. Um die gesetzten Ziele
Deutschland hinsichtlich des Kyotoprotokolls voranzutreiben
ist deshalb auch in diesem Bereich eine Neuorientierung
unumgänglich.
Biokraftstoffe bieten hier eine umweltfreundliche
Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Zudem
verringern sie neben dem CO2-Ausstoß, auch die
Emissionen anderer Luftschadstoffe, wie z.B. Kohlenmonoxid,
Schwefeldioxid und Rußpartikel und können
daher einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung
der Luftqualität in den Städten beitragen.
Momentan sind Biodiesel, Pflanzenöle und
Methanol die wichtigsten Biokraftstoffe.
Biodiesel kann aufgrund seiner Verbrenneigenschaften in allen herkömmlichen Dieselmotoren eingesetzt
werden. Um aus Pflanzenöl Biodiesel herzustellen,
ist eine chemische Bahandlung (Umesterung) notwendig.
Zur Verwendung müssen aber die im Kraftstoffsystem
eingebauten Elastomere (Leitungen, Dichtungen) aus biodieselresistenten
Stoffen hergestellt werden. Eine abwecheselnde Betankung
mit fossilem Diesel ist möglich. Mittlerweile gibt
es eine Vielzahl von Fahrzeugherstellern, die Biodiesel
freigegeben haben.
Auch Pflanzenöle (z.B. Raps- und Sonnenblumenöle) eignen sich für die energetische Nutzung in Dieselmotoren.
Sie können in Motoren pur eingesetzt oder anderen
Kraftstoffen beigemischt werden. Wichtig ist jedoch,
dass zur Nutzung der naturbelassenen Pflanzenöle
in Dieselmotoren eine eigens dafür angepassten
Verbrennungstechnik notwendig ist. Eine entsprechende
Umrüstung des Motors ist somit notwendig.
Eine Alternative für den Benzinmotor bieten
Alkoholkraftstoffe. Aus stärke- und zuckerhaltigen
Pflanzen (z.B. Getreide, Mais, Zuckerrübe, Zuckerrohr)
wird in Folge von Vergärung Ethanol gewonnen.Alternativ
kann auch über den Prozess der Vergasung aus trockener
Biomasse (biomass to liquid) Methanol, der einfachste
Alkoholtreibstoff, hergestellt werden. Weil die synthetischen
Kraftstoffe speziell an die Motoreigenschaften angepasst
sind, ist für ihre Nutzung keine Motorumrüstung
notwendig.Methanol kommt auch als Treibstoff für
Brennstoffzellen in Frage und wird in Zukunft an Bedeutung
gewinnen, da sich sowohl mit Benzinmotoren als auch
mit Brennstoffzellen hohe Wirkungsgrade erreichen lassen.
Gemäß der EU-Richtline zur
"Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen
oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor"
muss bis 2010 in Europa ein Bio-Kraftstoffanteil von
5,75 Prozent erreicht werden. Voraussetzung dafür
ist ein stetiges Wachstum der Bio-Kraftstoffbranche
sowie die Etablierung neuer Verfahren zur Biokraftstoffherstellung.
Vorbild für ganz Europa könnte in
diesem Bereich Schweden sein. Schweden will
als erstes industrialisiertes Land seine Energieversorgung
komplett vom Öl unabhängig machen. Dieses
ergeizige Ziel will die Regierung in Stockholm bereits
2020 erreichen und zwar ohne neue Atomkraftwerke zu
bauen.
